Das START Stipendium für Schülerinnen & Schüler

Tamilische START Stipendiatinnen

Kennst du jemanden oder bist du selbst eine Person mit Flüchtlingshintergrund, guten Noten und Engagement? Dann bist du oder die Person der ideale START-Stipendiat.

Hier geht’s zur Bewerbung (Bewerbungsschluss: 15. März 2017).

Aber was genau ist das START-Stipendium?

Das Ganze wurde von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung 2002 als Projekt ins Leben gerufen. Gegründet wurde die START-Stiftung offiziell im September 2007, um das erfolgreich gewachsene Stipendienprogramm selbstständig weiterzuführen. Mithilfe des Stipendienprogramms möchte START-Stiftung, in Zusammenarbeit mit ihren Kooperationspartnern, Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in ihrem Engagement bestärken.

Seit 2016 jedoch, konzentriert sich die START-Stiftung auf die Förderung neu zugewanderter Jugendlicher. Damals hatte ich das Glück, von meiner Lehrerin auf das Stipendium aufmerksam gemacht zu werden. Da ich die Voraussetzungen, ehrenamtliches Engagement und gute Schulleistungen, erfüllte, entschied ich zu versuchen, Stipendiat bei der Hertie Stiftung zu werden.

Als ich mich damals mit meinen 14 Jahren bewarb, war ich zunächst misstrauisch gegenüber diesem Programm.

“Wieso stellen die mir einfach einen Laptop, einen Drucker und eine Menge Geld zur Verfügung? Was werden die dafür von mir fordern?”

fragte ich mich. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Klar, das was Außenstehende sofort sehen, ist das ganze Geld was man bekommt und natürlich auch den Laptop und den Drucker. Ich möchte nicht lügen, das hat das Programm für mich damals zur Zeit der Bewerbung auch sehr attraktiv gemacht.

Aber neben der materiellen Förderung stand auch die ideelle Förderung im Vordergrund. Laut der Internetseite sind dies die dreitägigen Bildungsseminare, wovon ich eine ganze Reihe hinter mir habe und die mich auch wirklich bereichert haben. Sei es das Seminar “Interkulturelle Kompetenzen”, in dem man sich intensiv mit Versuchen wie dem “blue-eyed-brown-eyed-Experiment” befasste, oder aber das Rhetorik-Seminar, wo man sein Talent für Poetry Slam entdeckte. Alle Seminare waren wahrhaftig bereichernd.

Aber das überhaupt Wichtigste an all dem war, was viele noch nicht mal direkt bemerken: Die Begegnung mit anderen Menschen, die Freundschaften die dadurch entstehen, die Diskussionen die man bis in den frühen Morgen führte.

Und damit meine ich nicht den Kontakt im Sinne von zum zukünftigen Juristen, Mediziner oder Mitglied irgendeiner wichtigen Organisation, sondern das schlichte Kennenlernen von Charakteren, die in ähnlichen Verhältnissen aufwuchsen wie man selber und dazu noch die gleichen menschlichen Werte vertreten wie man selbst.

Was also all diese Stipendiaten gemeinsam haben? Hoffnung!
Hoffnung an die Menschheit, dass sie sich stetig verbessert, dass man etwas für diese leistet, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Dass es stets möglich ist, den Ort, den wir Erde nennen, ein Stück weit positiver zu gestalten und den ethnischen Pluralismus in dieser Welt voranzutreiben.

Aber was bedeutet Pluralismus?

Ein Blick ins Wörterbuch verrät, ethnischen Pluralismus sei “Vielfalt an Weltanschauungen, Macht- und Interessengruppen innerhalb einer Gesellschaft.“ Demnach würde es bedeuten, dass die verschiedenen Religionen, Meinungen und Interessen nebeneinander existieren sollen. Zusammengefasst, wir sollen alle Toleranz ausüben. Also bedeutet Pluralismus, dass die verschiedenen Ethnien Toleranz gegenüber der anderen Ethnie haben? Das die eine ethnische Gruppe nicht die andere Gruppe angreift, sie in Ruhe lässt, sie nebeneinanderher leben können? Nein, dann stände ich mit den anderen Stipendiaten still in einem Raum und würde nicht mit ihnen reden. Pluralismus ist nicht nur Toleranz, sondern das aktive Suchen beim Verstehen des Unterschiedes.

In einer ethnisch-pluralistischen Gesellschaft müssen die verschiedenen Religionen übereinander Bescheid wissen und verstehen. Die Toleranz allein kann nicht die Stereotypen, die Halbwahrheiten und die Missverständnisse, die zu ängstlichen Zweifeln und schließlich zu Konflikten führen, beseitigen.

In der Welt, in der wir heute leben, wird unsere Unerfahrenheit voneinander immer riskanter. Die Toleranz, die zum größten Teil in unserer Gesellschaft herrscht, kann nur als eine Notlösung bis zum Zeitpunkt der richtigen Kommunikation betrachtet werden. Die Sprache des Pluralismus ist die des Dialoges und der Begegnung, wir müssen lernen zu kritisieren und Kritik anzunehmen. Und genau darum geht es bei START. Sie bietet einem genau dafür eine Plattform.

Man lernt, auf andere Menschen zuzugehen, den ersten Schritt zu machen. Zu sagen: „Hey, ich bin offen für deine Ansicht und werde versuchen sie zu verstehen“.

Am Anfang ist man hinduistische Tamilin, muslimischer Syrer, yezidische Kurdin, doch hat man erstmal miteinander Zeit verbracht, ist man nur noch eins: Weltbürger.

Es gibt kein FALSCH und kein RICHTIG

Denn bei START lernt man nicht nur viel über die Kulturen anderer kennen, sondern auch einen weiteren Aspekt. Du wurdest in eine Familie hineingeboren, die bereits einer Kultur angehörte, bevor du zur Welt kamst und welche Religion bzw. Kultur diese ist, hast du nicht entschieden. Dafür kannst du also nichts. Also kein Grund sich dafür zu schämen, oder aber stolz darauf zu sein. Führe die sinnvollen Traditionen fort, das ist durchaus wichtig. Aber oberste Priorität hat, dass deine Kultur/Religion keinen Menschen einschränkt und nicht die Würde eines anderen Menschen verletzt. Solange dies der Fall ist, gibt es kein FALSCH und RICHTIG. Es gibt und soll auch nicht ein einheitliches Weltbild geben, sondern eine Vielzahl verschiedener Kulturen, die mit Verständnis füreinander leben.

START Gruppe

Das große Geschenk

Als ich bei der Abiturientenverabschiedung neben den vielen anderen Stipendiaten stand und wusste, dass sich die Wege hier trennen werden, dass ich sie nicht mehr oft sehen werde, habe ich begriffen, was für ein großes Geschenk die START-Zeit für mein Leben war. In dieser Zeit habe ich so viel über andere Kulturen gelernt und zugleich verstanden, dass wir alle in einer Zeit des großen Wandels leben, wo das interkulturelle Miteinander unverzichtbar ist.

Nicht Du, nicht ich, sondern nur WIR

Bei START gibt es nicht das Du und Ich, sondern nur das Wir. In diesem Moment wusste ich, dass START für mich mehr als eine Förderung sein würde – START ist eine Familie. Und ich habe die Hoffnung, dass es irgendwann nicht START heißt, sondern WELT.

Wie paradox es klingen mag, Ziel von diesem START-Programm ist es, dass es die Notwendigkeit solcher Projekte nicht mehr geben soll. Die Vielfalt soll Normalität werden und die Integrität von Kindern mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen selbstverständlich sein.

Viele von euch arbeiten auf irgendeine Weise mit Flüchtlingen zusammen, sei es als Dolmetscher, ehrenamtlicher Nachhilfelehrer oder Ähnliches. Verschafft diesen Menschen die Möglichkeit, durch diese intensive Erfahrung einer gelungenen Integration hinter sich zu bringen und verpasst nicht den besten Unterricht des Lebens: den Dialog mit euren Mitmenschen.

In bester Hoffnung

Aarawi Santhakumar & Saghana Karunakumar


Hinweis der Redaktion: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht. Auch wurde der Text in der Ich-Form verfasst, wobei dieser aus der Feder beider Autorinnen zu gleichermaßen stammt.


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1 comments
FranzNaber
FranzNaber

Eine super Idee, denn nicht jeder wurde mit einem Silberlöffel in der Tasche geboren! Im Verlaufe meiner Berufstätigkeit habe ich viele Jugendliche kennengelernt, die ich gern mehr unterstützt hätte.


Schulausbildung und Bildung allgemein sind die Schlüsselworte zum Erfolg.

Ich wünsche allen- unabhängig von Hautfarbe und Herkunft- viel Glück und einen Blick für die richtigen Entscheidungen .

Wo man geboren wird ist zwar Zufall, hier in Deutschland hat man/Frau aber sehr viele  Möglichkeiten diesen Zufall beruflich zu gestalten - auch ich habe vieles auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt!


Franz Naber

Integrationsbeauftragter

Von 1974 bis 2007

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